Bericht aus dem Fanbus 2012

29 h 56 min / 532 km / 13915 Höhenmeter

oder

16 h 20 min / 62 Telefonate / 117 Smsse

RATA 2012

WIR WAREN AUCH DABEI!

IMPRESSIONEN AUS DEM FANBUS!!!

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Pünktlich um 6 Uhr stand das nach zahlreichen Absagen verbliebene Sextett bereit und startete mit einem Kleinbus der Firma Fechtig – dankenswerterweise sponsored bei Hubert Schneider!

Mit einem „Ich fahr so gerne Auto“ übernahm Tommy bereitwillig das Lenkrad, an seiner Seite saß Kubo mit Dauerkontakt zum Seder’schen Begleitfahrzeug. Dahinter wurde der fürs Roadbook verantwortliche Alex, gemeinsam mit dem Häuptling des Kühlschranks Dietmar, platziert. Kati und Sandra folgten in der dritten Sitzreihe, was ihre Zuständigkeit für die Lagerverwaltung an Bord beinhaltete.

Flugs durchpflügten wir die A7, um das Nachbarland Felix Austria mit einem Frühstücksplopp zu begrüßen. Die Streckenmeldungen von Klaus stimmten uns erwartungsfroh, so dass wir bestens gelaunt als erste Fangruppe um 8.15 Uhr Nauders erreichten.

Die Mädels verzogen sich erst mal auf einen Kaffee, Kubo und Tommy verankerten sich auf der Ziellinie. Der hilfsbereite Alex blies für den Veranstalter Gernot noch schnell den Zielbogen auf, aber hoppla – wir waren nicht mehr komplett????

Dietmar! Völlig übermannt durch die bereits jetzt spürbare Hochspannung erlitt unser Kühlschrankwart ein nicht ad hoc zu lösendes Magenproblem. Nach einem zwar intensiven, wenngleich nutzlosen, Besuch der keramischen Abteilung verzog er sich von einer grawottischen Ganzkörperblässe gekennzeichnet in den Fanbus.

So begrüßten wir um kurz nach halb zehn mit einem Fan weniger den überragenden Sieger Daniel Rubisoier aus Tirol im Ziel. Knapp eineinhalb Stunden später gab es wie im Vorjahr heftige Tränen ob der Gewaltemotion beim diesjährigen Zweitplatzierten Patric Grüner. Lokalmatador Paul Lindner schleifte kurz darauf den Tour de France – Profi Dani Schnider ins Ziel, welcher zunächst minutenlang dietmarähnlich bewegungslos mitten im Zielraum auf dem Asphalt parkte.

Das war zuviel für Kati. Trotz angenehmer Temperaturen im Oberland bekam sie aufgrund der dargebotenen Extremsportler ihre Dauerhennabrupfa unmöglich in den Griff und sie forderte vehement einen Ortswechsel.

Alex holte sein Roadbook. Kubo befragte den bereits aus dem vergangenen Jahr bekannten Bürgermeister aus Nauders Robert Mair (in Insiderkreisen der „Durschtige Bertl“) über den RATA-Streckenverlauf. In wenigen Minuten war die Aktion „Wir besuchen Klaus“ geboren. Dietmar wurde mit einer beruhigend wirkenden Hopfenkur kurzerhand fit gespritzt; Gott sei Dank hatten wir für die folgenden Stunden diesbezüglich genügend von diesem Medikament an Bord.

Es begann die Zeit des Piloten Tommy. Mit einem nicht mehr zu bremsenden Dauergrinsen führte er unseren Fanbus durch die anspruchsvollsten Aufgaben. Wir bogen runter über den Reschen ins Südtiroler Mals. Dann im doppelten Sinne der Gipfel! Nach Kubos Berechnungen bogen wir kurzerhand, einstimmig abgestimmt, rechts ab in Richtung Stilfser Joch. Wir nahmen die Königin unter den Passstraßen in Angriff. Beeindruckende 48 Kehren in atemberaubender Atmosphäre schnurrte Tommy und Fechtigbus auf die grob 2800 Meter Höhe. Dietmar hielt sich an einer neuen Dosis Hopfenmedikament fest, auch Kubo fand gefallen am Kühlschrankinhalt in schwindelerregender Höhe. Statt einem Prosit verwies Alex jetzt im minütlichen Dauerrythmus auf die schöne Natur („Ja so eine schöne Landschaft!“), was spätestens an Kehre 3 von den besagten 48 zur Belastung avancierte. Nur auf der hinteren Reihe war Geräusch- und Bewegungsarmut festzustellen. Sandra und Kati hatten das Pass fahren nicht so lieb. Aber da mussten beide jetzt durch und schließlich war die Ruhe an Bord auch mal schön! Zu allem Überfluss fand auch noch eine Oldtimer-Traktor-Rallye statt, so dass wir uns die einzigartige Wegstrecke mit hunderten von dahin kriechenden Treckern teilten.

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Davon gänzlich unbeeindruckt war unser Uhrwerk Tommy am Lenkrad, der jede auch noch so haarsträubende Verkehrssituation genoss und so schoben wir uns sicher und gemütlich übers Stilfser Joch in das vierte Land am heutigen Tag; und begrüßten auf dem Umbrailpass herab schleichend die Schweiz. Am Fuße der Bergwelt orientierten wir uns im Ort Santa Maria und parkten sodann an einer leichten, ca. 400 m langen Steigung ein. Wenige Minuten später war es soweit. Nichts ahnend kam das Begleitfahrzeug mit Daryn, Eric und Markus angefahren, gefolgt von einem Auto mit Uli, der eigentlich bereits „Helfer frei“ hatte, aber mit högschter Konzentration jede Rennsekunde in sich aufsaugte.

Das Seder-Team zog sich zurück und so hatten wir Sechs wenige Augenblicke später unseren Protagonisten alleine für uns, der kurzzeitig zwar schier aus dem Sattel kippte als er eine völlig ausflippende, heimische Abordnung erblickte, sich dann aber hoch motiviert zeigte und mit einem großen Schub Zusatzmotivation in den Umbrail stürmte.

Wir hätten es nicht für möglich gehalten, was wir da angerichtet haben. Keine zwei Minuten später erhielten wir die Nachricht, dass Klaus wohl eine Fata Morgana vermutet und uns umgehend auffordert, dies Schauspiel zu wiederholen. Zum besseren Verständnis: Es war halb zwei und Klaus hatte noch 3 Pässe auf über 80 km Strecke vor sich, aber ab sofort flog er und flog und flog. Kurz nach ihm kam der Italiener Maurizio Barbolini vorbei, welchem Klaus ab sofort auf der Reststrecke 80 Minuten abnehmen wird.

Aber Fan sein ist auch nicht einfach! Statt Pizza oder Pasta hieß es schnell um den Berg herum. Landjäger und Kaminwurz’n waren aus. Zur Ernährung gabs nur noch trocken oder flüssig Brot. Aber Kati hatte den passenden Leitspruch parat: „Bier her! Lieber an Rausch als an leeren Magen. Tommy war wie immer außen vor und nippte fröhlich gelaunt an Cola oder Apfelschorle.

Roadbook-Alex ordnete den nächsten Halt im Südtiroler Prad an, hatte aber seine Rechnung ohne das Schweizer Kaff Müstair gemacht. Inmitten der bereits erwähnten Traktoren standen wir im Stau, weil eine Beerdigung anberaumt war und in diesem Ort die Kirche links der Hauptstraße, der Friedhof aber rechts der Hauptstraße liegt.

Ohne pietätlos wirken zu wollen, aber bis die sechsköpfige, Schweizer Bläsergruppe, gefolgt von dem 30-köpfigen Anhang die Straße querte; das hatte was von der Dauer eines Allgaeuer Bezirksmusikfestumzuges. Aber wir haben ja Tommy. Ungerührt ernannte er die Gegenspur zu seiner Fahrlinie, um sämtliche Traktoren schnellstmöglich hinter sich zu lassen. Mit einem „Hopp Schwiz“ übertölpelten wir die Grenzkontrollen und bogen Just in Time in Prad ein, um uns am Fuße des Stilfser Joch aufzustellen. Ob der zeitlichen Knappheit blieb es bei unserer monotonen Ernährung, denn Flying Seder war schon in Anfahrt.

Ein Hammertyp! Während manche Kollegen vor ihm sich schwerst gekennzeichnet an uns vorbei schleppten, schießt Klaus lachend durch seine Fangemeinde hindurch. Noch knapp 40 Km, den gegenwindigen Reschen hinauf.

Und die Fans! Hunger! Aber etz ischs au scho wurscht! Noch dreimal bauten wir uns am Straßenrand auf, um Klaus mit ganzer Kraft gen Ziel zu ziehen. Unbedingt zu erwähnen ist der Burgberger Radfreund, der tags darauf beim Dreiländergiro mit von der Partie war. Ihn trafen wir am letzten Halt bei Burgeis, wo er mit einer eigens konstruierten Choreographie auf Klaus wartete. Toll!

Für uns wurde es bereits wieder eng. Unser Fahrer mit der Startnummer 46 tickte völlig aus, raste den Reschenpass hinauf und auf der anderen Seite mit 80 Km/h nach Nauders hinunter.

Nur mit eigenen Verkehrsregeln, Beamtenbestechung („Wir müssen durch, wir sind das Bermanseder-Notfallteam vom Hauptsponsor Fechtig“) und Tommy, erreichten wir vor Klaus das Ziel, parkten zur allgemein Belustigung verbotenerweise direkt vor der Zielbühne. Noch kurz Hände schütteln von der Familie – Papa Reinhold, Mama Carmen, Bruder Andreas und Schwägerin Nicki – logischerweise Alle unisono im Totalfieber.

Es brachen alle Dämme! 29 h 56 Minuten! Sorry! Da radelt der Irre von Köln nach Dietmannsried überquert aber zweimal den Mount Everest dabei! (Zitat Tommy Ende)

Das Schönste! Nicht die Profis haben den schönsten Zieleinlauf, nein, denn Seder kommt pünktlich um vier Minuten vor 18 Uhr ins Ziel, wenn das Briefing für den Dreiländergiro stattfindet und das Festzelt somit völlig überfüllt ist. Das Briefing wird unterbrochen und unter stehenden Ovationen wird Finisher Klaus Bermanseder samt Team und Fans durchs Zelt geleitet, auf die Bühne geführt und zum Liveinterview gebeten. Gell Kati, da friarts uns alle dann wieder! Welch Hennabrupfa!

Es folgen Briefing und Rata-Siegerehrung. Der Stimmungsblock aus Dietmannsried ist wie im Vorjahr Bühnen nah postiert. Der Trupp in den Klaus Bermanseder Trikots Ziel zahlreicher Fotografen. Reinhold und Andi liefern Fohrenburger Hell und es gibt endlich Futter. Alle Akkus sind leer, was sich in dem eindeutigen Indiz widerspiegelt, dass es mehr Bierspender als Biertrinker gibt. Gott sei Dank kommt uns da der Bürgermeister Bertl zur Hilfe!

 

Epilog:

Lieber Klaus! Gratulation zu diesem Rennen, und dass Dank dem widerlichen letzten Buckel jetzt endlich dein Traum komplett erfüllt ist. Wir sind alle furchtbar stolz, und prall gefüllt mit unvergessenen Eindrücken! Großartig, dass wir dabei gewesen sind!

Vielleicht reicht es jetzt aber mal mit Rata. Kubo schlägt mal das 24h-Stundenrennen in Kehlheim vor. Das wäre fangerechter. Es handelt sich hier nämlich um einen Rundkurs durch die Stadt und die Fahrer landen alle Stunde auf dem Marktplatz, um mitten durchs Festzelt zu fahren. Das wäre ein Fanleben! Dahocken bei Blasmusik, Bier und Hax’n, und stündlich erheben wir die Krüge, wenn Du an uns vorbei radelst.

Jetzt aber erst mal gute Erholung! Das war Tip Top!*

Dein Fanbus

  • Im schweizerischen Santa Maria fragt Kubo einen mit Holzrechen im steilen Geläuf stehenden Bergbauern nach dem Weg:
  • „He guater Ma, gohts do noch Mals?“
  • Antwort:“ Das wär Tip Top!“

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