RATA-Bericht 2012

Nach einer sehr guten Vorbereitung holte ich mir bei der erstmaligen Teilnahme an zwei Mountainbike-Rennen im April mit guten Ergebnissen schon recht früh die nötige Wettkampferfahrung. Im Vergleich zu den langen Rennradeinheiten während des Trainings waren die Mountainbike-Rennen auf jeden Fall eine gelungene Abwechslung und eine positive Erfahrung. So konnte ich mit einem sehr guten Gefühl nach Nauders reisen, zum, so sagt man, härtesten Eintagesstraßenrennen der Welt „Race across the alps-RATA 2012“.

Der Start fand wie in jedem Jahr am Freitagmittag (22.06.12) um zwölf Uhr im Zentrum von Nauders statt. Heuer war ein Teilnehmerrekord zu verzeichnen, insgesamt 65 Athleten standen an der Startlinie, darunter viele große Namen, wie z.B. RATA-Routinier Paul Lindner, ehemaliger Tour de France Teilnehmer Dani Schnider, Thomas Strebel (5. Platzierter bei Race across America) und 2. Platz RATA 2011.

Bei großer Hitze galt es gleich den Reschenpass, das Stilfer Joch und den Gaviapass zu bewältigen. Am dritten Pass schien ein plötzlicher starker Oberschenkelkrampf den Traum von einer guten Platzierung schon frühzeitig zu beenden.

Nach zwei kurzen Pausen ,leichten Dehnübungen, viel Salzwasser und anschließend etwas langsamerer Trittfrequenz bekam ich die Probleme nach und nach wieder in den Griff. Den Gaviapass erreichte ich durch die besonderen Umstände etwa eine Stunde später als 2011.

Nach einer sehr schnellen Abfahrt kurbelte ich mit sehr dicken Gängen, was die Beine hergaben, in Richtung Apricapass, da ich die Karenzzeit schaffen musste. Meine Aufholjagd war erfolgreich, ich erreichte nach 192km und 4200hm um 20.30 Uhr Tirano (Karenzzeit 21.00 Uhr). Ohne große Pausen zu machen, konzentrierte ich mich auf die nächste Teiletappe. Es folgte nun der wahnsinnssteile Mortirolo, der an manchen Stellen so steil war, dass meine Begleiter Mühe hatten, für die Versorgung mit Getränken neben mir herzulaufen. Aber auch dieser Pass bereitete mir keinerlei Probleme und so ging es in die Nacht und zum zweiten Mal den Aprica hinauf, wo ein Teamwechsel anstand. Stefan und Uli hatten sich den Schlaf jetzt verdient und Daryn und Eric lösten die beiden ab. Komplettiert vom „Dauerhelfer“ Markus bereitete sich das Team auf den wohl härtesteten Brocken des RATA vor: BERNINA 36 km und 2000hm am Stück. Dieser schier ewig erscheinende Pass mitten in der Nacht nimmt einem die Orientierung. In diesen schweren Stunden ist ganz klar die Psyche gefragt. Zu allem Überfluss kamen noch starke Regenfälle und es wurde richtig kalt, um die 5 Grad, was am Bernina aber nichts Neues ist, wie die Erfahrungen aus dem letzten Jahr gezeigt hatten. Dies alles überstand ich bis zur Passhöhe und ab diesem Moment war mir klar, dass ich super gut drauf bin und das Ziel bis ca. 17.30 Uhr erreichen kann.

Dass einem beim RATA nichts erspart bleibt, musste ich am Albula erfahren. Zu der Kälte kamen dicke Nebelschwaden hinzu, was die Auffahrt extrem ungemütlich machte, auch, wenn ich mich richtig dick eingepackt hatte. Die Nebelschwaden und nasse und rutschige Straße zwangen mich, bei der Abfahrt äußerst vorsichtig zu agieren, was allerdings sehr viel Zeit kostete. Die Vorsicht war aber angebracht, was mir spätestens nach dem plötzlichen Auftauchen einer Kuhherde mitten auf der Straße, die ich gerade noch umfahren konnte, klar wurde.

Weiter ging es über das zermürbende lange Teilstück inkl. Landwassertunnel über Bergün nach Davos, was mir gut gelang, auch wenn die Wetterbedingungen nach wie vor unangenehm waren. Ich war froh, als es endlich wieder bergauf ging, da ich mich bei den Auffahrten deutlich wohler gefühlt habe als auf den langen Flachstücken. Auch eine Polizeistreife, die das Team kurzzeitig aufhielt, konnte mich von meinem Ziel, vor 18.00 Uhr das Ziel zu erreichen abbringen.

Nachdem der Flüela erneut ohne Probleme erklommen wurde, fuhr ich diesen so rasant hinunter, dass ich etwa 20 PKWs und Busse überholte.

Zum Glück wurde es jetzt endlich wärmer, als ich in Richtung Ofenpass unterwegs war und ich war immer noch top in Form und hatte keine größeren Wehwehchen zu beklagen. Hinzu kam, dass die Dietmannsrieder Motivationshilfe in Form eines Fanbusses für einen zusätzlichen Schub sorgte. Nach dem Ofenpass folgte der Umbrail, den ich recht flott anfuhr, dann allerdings sorgte die Euphorie dafür, dass ich vergaß, Nahrung zu mir zu nehmen, was sich etwa 3 Kilometer vor der Passhöhe in Form eines totalen Hungerastes bemerkbar machte. Schienen all die Qualen bisher umsonst gewesen zu sein???

Nein, nachdem ich viel Energie zu mir genommen und mich über den Pass geschleppt hatte, kam bei mir die „3. Luft“ und ich konnte die Akkus wieder aufladen. Über das Stilfser Joch ging es dann hinunter Richtung letztes Teilstück. Die Abfahrt vom Joch brauchte ich allerdings, um mich vollständig zu regenerieren, was sich in einer langsameren Zeit (etwa ein halbe Stunde länger) ausdrückte, aber enorm wichtig war, um im letzten Teilstück noch einmal voll anzugreifen.

Für zusätzliche Motivation sorgte dann erneut der Fanbus, der das Finale einläutete. Hinzu kam am Reschenpass mein Radkumpel Andi Starke aus Burgberg, der einige Kilometer an meiner Seite fuhr, ehe ich mich wieder alleine im Höllentempo von 80 km/h in Richtung Nauders auf den Weg machte. Mein großes Ziel, vor 18.00 Uhr das Rennen zu beenden war geschafft. Genau um 17.55 Uhr überquerte ich die Ziellinie und sah viele bekannte Gesichter, die mich entweder im Fanbus angefeuert oder hier seit Stunden auf mich gewartet hatten.

 

Vielen Dank allen, die mich bei dieser Tortur begleitet und unterstützt haben, sei es vor Ort oder zuhause an den Handys oder vor den Rechnern.

Klaus Bermanseder

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